FAHRRÄDER

Gary Fisher Utopia und Trek 520

Tipp: Wenn man sein Rad nicht erst unmittelbar vor so einer Monstertour justiert und einfährt, erspart das eine Menge Ärger!
  

ZUBEHÖR

● Aerobar – Von Boston nach San Francisco ohne Aerobar? Sicher! Sie würden sich ja auch ohne Windschutzscheibe hinters Steuer setzen, oder?

● Beleuchtung – Na ja: Irgendwann muss man ja auch schlafen, und der Tag ist eigentlich lang genug, dass man nicht bei Einbruch der Dunkelheit noch auf dem Fahrrad sitzen möchte. Trotzdem empfehlen wir die Mitnahme einer lichtstarken Mini-Taschenlampe, da es sich mit der notfalls auch ganz passabel Rad fahren lässt. Reflektoren sind auf alle Fälle wichtig, und darüber hinaus ist auch die Mitnahme einer roten Rückleuchte für ganz diffuse Lichtverhältnisse anzuraten (der jeweils Letzte trägt dann die sprichwörtliche „rote Laterne“).

● Ersatzspeichen – Mit den Speichen ist das so wie mit dem Meniskus: Man denkt so lange nicht darüber nach, bis es knackst. Und dann wundert man sich nur noch, wie das überhaupt so lange halten konnte.

● Höhenmesser – Wir hatten keinen. Braucht man einen? – Nett wär’s schon gewesen: Immerhin hätte man ja nachher damit protzen können, wie viel zigtausende Höhenmeter man in all der Zeit bewältigt hat. Andererseits ist’s aber nur ein Gerät mehr, auf das man glotzen kann, anstatt sich auf die wunderbare Landschaft zu konzentrieren. Und Geld kostet’s obendrein.

● Kompass – Praktisch ist so ein Kompass dann, wenn das vorrangige Ziel der Reise in einer bestimmten Richtung liegt. Schließlich will man ja nicht ständig stehen bleiben und auf die Karte starren. – Komisch war’s allerdings schon, als das Ding in den ersten Tagen immer nach Süden gezeigt hat. (Preisfrage: Wo bringt man beim Fahrrad eine magnetische Nadel so an, dass sie nicht abgelenkt wird? – Die Auflösung folgt im nächsten Band …)

● Pumpe – Irgendeine, aber wenn’s geht, eine, die funktioniert. Amerika ist zwar von Tankstellen übersät, aber es ist trotzdem blöd, wenn man sein Rad nach einem Duell mit einem Stachelschwein zehn Kilometer schieben muss.

● Radcomputer – Eine Selbstverständlichkeit. 17-Zoll-Monitor und Laserdrucker müssen aber nicht unbedingt sein. Kluge Köpfe nehmen gleich einen, der wasserdicht ist.

● Sattel – Natürlich! (Jeder sollte einen haben.) Der Hintern schmerzt mit Sicherheit, wenn man den Sattel gleich mit 100 km/Tag zureiten muss. Ob ein harter oder ein weicher (Sattel!) besser ist, darüber lässt sich streiten. Einer von uns hatte die ganze Fahrt über einen harten, der andere einen weichen (wer, das wird hier allerdings nicht verraten). Beide sind wir jedenfalls ohne bleibende Schäden bis San Francisco gekommen. Im übrigen kann man den Komfort eines teuren Gel-Sattels auch mit einer guten Radhose erzielen.

● Satteltaschen – Ob es genügt, nur hinten Satteltaschen zu haben, oder ob man auch vorne welche braucht, haben wir mit vielen (echten und selbst ernannten) Experten diskutiert. – Satteltaschen nur hinten: Man muss sich bei der Gepäckmenge streng disziplinieren (was aber – sofern man mit seinem Rad überhaupt noch vom Fleck kommen möchte – auch sonst keine schlechte Grundregel ist). Das Rad zeigt anfangs ein äußerst gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten. – Satteltaschen zusätzlich vorne: deprimierend, wenn man die ganze Zeit das Gepäck vor Augen hat, ohne das man eigentlich viel schneller wäre. Fürs Fahrverhalten soll das zwar Vorteile bringen, wir haben da allerdings so unsere Zweifel (Schotter, Schlamm, Sand?). – Wir waren mit unseren beiden hinten montierten Taschen eigentlich ganz zufrieden, räumen allerdings ein, dass es hier womöglich noch aufzudeckende Zusammenhänge zu diversen gebrochenen Speichen und Felgenrissen geben könnte.

● Satteltaschen-Träger – Auf jeden Fall Alu. Und man sollte gelegentlich die Schrauben nachziehen: So ein hinterherschleifender Gepäcksatz kann bei Tempo 70 unangenehme Nebenwirkungen nach sich ziehen.

● Werkzeug – Welche Schraubenzieher und Mutternschlüssel vonnöten sind, hängt vor allem vom Fahrrad ab und muss daher im Einzelfall eruiert werden. So gut wie unverzichtbar sind Speichenschlüssel (zum Lockern und Festziehen der Speichen), Kettenzange (zum Austauschen oder Entfernen kaputter Kettenglieder), Mantelheber (zum kraftsparenden Auseinandernehmen der Reifen) und Teflonöl (unserer Erfahrung nach jenes Schmiermittel, das am wenigsten Dreck anzieht und am längsten hält).
  

ZWISCHEN LUFT UND ERDE

● Conti Top TouringDer Reifen für so eine Tour (wahrscheinlich gibt es aber noch andere). Die richtige Reifenwahl hat uns viele durchlöcherte Schläuche erspart: Wichtig ist in jedem Fall ein einigermaßen dicker Gummimantel, der nicht allzu viel Profil (und damit Rollwiderstand) aufweist. Nur die sündhaft teuren gelgefüllten Reifen (Auskunft gibt ihr Arzt, Apotheker oder Fahrradhändler) schützen besser.

● Kotflügel sind Stilsache. Echte Männer (und Frauen) brauchen natürlich keine. Und wenn’s richtig regnet, ist man auch mit Kotflügeln nass bis auf die Socken. Auf einer schlammigen Straße sind die Dinger – speziell für Kontaktlinsenträger – jedoch sehr zu empfehlen.
  

WASSER

● Camelbak – Der obligatorische und bereits mehrfach erwähnte Wasserrucksack. Nicht nur, dass man wirklich immer dann trinken kann, wenn man will; das Wasser darin bleibt auch erstaunlich lange kühl. Zugunsten der Langlebigkeit des Innenschlauches sollte man den Camelbak allerdings wirklich nur mit Wasser befüllen. Säfte haben wir über kurze Strecken in unseren Radflaschen transportiert, die sich übrigens auch ganz gut als Cocktailmixer einsetzen lassen, wenn man Lust auf irgendwelche isotonischen Pülverchen verspürt. – Hervorragend ist der Camelbak in der Wildnis als Notdusche und als Dosierspender zum Händewaschen.

● Fahrradflaschen – Bah. Wir hatten leider keine, in denen das Wasser nicht nach kürzester Zeit in der Hitze nach Plastik schmeckte. Sollte jemand eine erfinden, bitte sofort patentieren lassen und reich werden. Wir hätten davon gern zwei Rezensionsexemplare.
  

BEKLEIDUNG

● Allgemein – Wenn man wie wir das Glück hat, beinahe jeden Tag Wäsche waschen zu können und außerdem vom amerikanischen Wäschetrocknerwahn Gebrauch machen kann, kommt man ohne Mühe mit sehr wenig Kleidung aus. Wenn nicht, dann muss man es einfach: Kein Mensch kann es sich leisten, seine Fahrradtaschen mit alter Wäsche vollzustopfen. Zum Saubermachen bieten sich in diesem Fall die Waschbecken von Toiletten, Campingplätzen oder Supermärkten an; das Trocknen besorgt der Fahrtwind. Die etwas teurere Alternative: Alte Socken einfach wegschmeißen. Man kann in fast jedem Laden günstig neue kaufen.

● Hosen – Im Sommer genügt eine kurze Radhose vollauf (siehe auch: Wasserschutz). Allerdings braucht man alle 4000 Meilen eine neue. – Dass wir 4150 Meilen lang unterwegs waren, dafür kann ja schließlich die Herstellerfirma nichts, oder? Jedenfalls hatten wir in den letzten Tagen Glück, nicht wegen sittlicher Gefährdung der Öffentlichkeit eingesperrt zu werden.

● Jerseys – Am besten hat man zwei davon. Erstens kann man auf diese Weise mehr Sponsoren unterbringen (sofern man überhaupt welche hat). Zweitens kann es ja schon mal vorkommen, dass man aufgrund irgendwelcher wetterbedingten Umstände dringend ein trockenes, frisches Jersey benötigt. Und natürlich bringt so ein Jerseywechsel auch viel fürs modische Selbstwertgefühl.

● Fahrradhandschuhe – Damit die schöne Lenkstange keine häßlichen Fingerabdrücke bekommt, empfehlen wir die Benutzung von Handschuhen. Die Handschuhe sollen nach Möglichkeit geschlossen sein, da die bekannten fingerlosen Modelle an einem kalten Regentag nicht genügend Temperaturschutz bieten. Weil die meisten Handschuhe atmungsaktiv sind, kommt man damit auch an wärmeren Tagen gut zurecht, und wer seinen Handrücken auch ein bißchen Sonne gönnt, kann ja ruhig mal ein paar Stunden handschuhlos unterwegs sein…

● Radbrille – Glaubt man den wortreichen Beteuerungen diverser Fahrradhändler, dann schützen Radbrillen vor schädlicher UV-Strahlung, bewahren das Auge vor Austrocknung durch den Fahrtwind und halten listige Insekten davon ab, mitten in der schönsten Abfahrt auf der Pupille theatralisch Selbstmord zu begehen. Der wichtigste Grund fürs Brillentragen wird jedoch leider allzu oft übersehen: Radbrillen sind einfach cool! – Gerade bei den coolsten Modellen sollte man allerdings auf das Nasenstück aufpassen – dieses begibt sich bei erstaunlich vielen Fabrikaten gerne auf Reisen und kann nicht immer nachgekauft werden, besonders wenn man gerade eine Wüste durchquert oder in den Bergen in einer Herde Bighorn-Schafe steckt.

● Radhelm – Zugegeben, Radhelme haben etwas uncooles. Schädelbrüche und andere Kopfverletzungen sind allerdings auch nicht besonders en vogue, also muß man sich entscheiden. Ein kurzer Rundblick zeigt, daß so ziemlich alles, was einem auf einer öffentlichen Straße entgegenkommt, härter ist als der eigene Kopf, also sollte der Entscheidungsprozeß nicht allzu lange dauern. Immerhin hat man ja dann auch immer ein nettes Körbchen parat, in das man Handschuhe und Brille legen kann, und die vom Helm geformte schnittige Frisur soll schon so manches Frauenherz erweicht haben.

● Schuhe – Außer unseren Radschuhen hatten wir noch ein paar geländegängige Turnschuhe mit. Wenn die Radschuhe einigermaßen bequem sind, würde man aber notfalls damit auskommen.

● Socken – „4000 Meilen Rad gefahren, daran gerochen: Nichts! Aber meine Füße …“ – Spezielle luftdurchlässige Fahrradsocken sind durchaus zu empfehlen – schließlich muss der Fuß atmen. Aber auch an gewöhnlichen Socken ist noch kein Mensch gestorben – jedenfalls nicht, dass wir wüssten.
  

WASSERSCHUTZ

● Regenjacke – Braucht man bestimmt. Vor allem sollte sie dicht sein: Nichts ist blöder, als wenn man nach einem zehnminütigen Regenguss trotz geschlossenem Kragen klatschnass ist. Darüber hinaus sollte so eine Jacke natürlich möglichst dünn sein, und wenn sie am Ende gar aus Gore-Tex oder einem anderen atmungsaktiven Material besteht, dann bestimmt nicht zum Schaden des Radfahrers.

● Wasserdichte Hose – Genau wie die Regenjacke unumgänglich. Eine Regenhose kann auch bei Kälte und Wind hervorragend isolieren und Wärme speichern: So braucht man für ein paar mögliche Kältetage nicht gleich eine lange Radhose mitzunehmen.

● Winter-/Regensocken – Nach eingehender Beratung haben wir uns für dünne Regensocken aus einem wasserdichten Spezialmaterial entschieden, die auch für schneeliebende Mountainbiker empfohlen werden. Man zieht sie – im Gegensatz zu anderen Modellen – nicht über den gesamten Radschuh, sondern direkt über den Fuß. Die Theorie: Die Radschuhe trocken zu halten ergibt sowieso keinen Sinn, weil die Sohle für das Pedal frei bleiben muss. Dafür bleibt aber wenigstens der Fuß bestmöglich geschützt. – Die Praxis: Wasser sickert trotzdem von oben hinein, der Fuß bleibt also nicht trocken, aber wenigstens warm. – Resümee: Im Endeffekt haben wir unsere Entscheidung nicht bereut.
  

SCHLAFZIMMER

● Matratze – Eine dünne Unterlage, die isoliert und gleichzeitig gegen die gröbsten Unannehmlichkeiten eines steinigen Bodens schützt, ist nahezu unverzichtbar. Eine Plastikplane täte es zur Not (gegen Feuchtigkeit von unten) zwar auch, aber guter Schlaf ist teuer und neben Essen die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Reise. Ein wenig kostspielig, aber dennoch sehr zu empfehlen: eine superleichte Mischung aus Luftmatratze und Isomatte, die sich jeden Abend auf wundersame Weise von selbst entfaltet.

● Schlafsack – Nicht am falschen Ende sparen: Der Schlafsack muss möglichst leicht sein, nur ein zumutbares Maß an Platz beanspruchen und trotzdem warm halten. Unabhängig vom Modell sollte er beim Transport immer zusätzlich in einen wasserdichten Plastiksack gepackt werden. Der Schlafsack gehört schließlich zum wertvollsten Reisegepäck, und ein nasses Exemplar bedeutet für seinen Besitzer eine mittlere Katastrophe.

● Zelt – Wir haben darauf verzichtet. Für Touren durch dünn besiedeltes Gebiet sollte man sich das aber auf alle Fälle noch einmal gut überlegen. Wir haben schließlich auch überlegt …


Über die Autoren

Stefan & Tobi

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