Nie wieder werden wir so sehr daran zweifeln, dieses Abenteuer zu Ende bringen zu können. Nicht so sehr wie an jenen grauen Tagen in Boston.

Als wir zu Geschäftsbeginn den Laden von „International Bicycles“ betreten, schaut man uns zunächst an wie zwei nach Whiskey stinkende Mondkälber. „Räder? Für wen?“ Aber dann findet man sie doch, die „Bikes for the Austrians“. Sie sind sogar schon seit gestern früh da, teilt man uns freudig erregt mit. Wir sind ebenfalls freudig erregt.

Zuversichtlich, mit neuem Selbstvertrauen reißen wir die Kartons auf. Jetzt wird ja doch noch alles gut. Es hat sogar aufgehört zu regnen. Noch erkennen wir die fatale Tragweite dieses Augenblicks nicht, obwohl ein Hauch davon schon in der Luft liegt: Die Räder müssen erst zusammengebaut werden. Im Geschäft hat keiner Zeit. Zumindest jetzt nicht. Vielleicht später mal. Wir fangen an, selber daran herumzuschrauben. Als wir ganz unten in der Kiste Plastikpedale entdecken, hören wir wieder auf. Draußen regnet es inzwischen wieder.

Wir rufen bei „Trek“ in Wisconsin an und machen mit falscher Bestimmtheit und echter Verzweiflung klar, dass dies hier nicht die richtigen Räder sein können. Damit werden wir bei starkem Rückenwind vielleicht bis zu den Niagarafällen kommen. Aber bis San Francisco schaffen es die Dinger höchstens in der Holzkiste zusammen mit uns. Die Radfirma entschuldigt sich und tut immerhin so, als ob sie wirklich aus Versehen die falschen Räder geliefert hätte. Das beruhigt ein wenig. Die Räder, die man uns versprochen hat, wären leider nicht auf Lager gewesen. Jetzt verspricht man uns, andere, bessere zu schicken. Diesmal über Nacht.

Den Nachmittag verbringen wir mit Sightseeing. Boston, der Geburtsort von Samuel Adams, im Regen. Ein stimmungsvoller Anblick.

Am Abend fahren wir dann zu Bekannten an den Stadtrand: Glück im Unglück. Morgen wären sie bereits auf Urlaub gewesen. Wenigstens müssen wir nicht gleich an einem so düsteren Tag wie diesem Geld fürs Übernachten ausgeben.


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Stefan & Tobi

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